AKTUELL: Offener Brief an russ. Honorarkonsul und EON (s. u.).
(Bonn / Gronau / Münster, 22.7.2007): Anti-Atomkraft-Initiativen in Deutschland sind schockiert über die Ermordung eines jungen russischen Atomkraftgegners. Der Ermordete war Bewohner eines Protestcamps im Bereich des Atomzentrums von Angarsk (Sibirien), das am Samstag (21.7.) brutal überfallen wurde. Bei dem Überfall wurde er tödlich verletzt, weitere Personen im Camp wurden ebenfalls verletzt. Die russische Umweltorganisation Ecodefense vermutet, dass es sich bei den Angreifern um Mitglieder faschistischer Organisationen gehandelt hat. In einer ersten Stellungnahme fragt Ecodefense: „Wenn die Polizei die Sicherheit der Bevölkerung nicht garantieren kann, wie kann dann die Sicherheit der Urananreicherungsanlage und des nuklearen Materials garantiert werden?“
Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) e. V., der seit Jahren den Widerstand gegen Uranmülltransporte von der Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau in russische Atomzentren unterstützt, fordert von den zuständigen russischen Behörden die Aufklärung aller Hintergründe des Überfalls und die Bestrafung der Täter. Das Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen schließt sich dieser Forderung vorbehaltlos an. Wir fordern zudem, dass die Bundesregierung sich an der Aufklärung des Falls beteiligt. Schließlich profitieren die Bundesregierung und die Atomfirma Urenco sowie ihre deutschen Anteilseigner EON und RWE seit Jahren vom Betrieb der sibirischen Urananreicherungsanlagen.
Die Mitglieder des Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau, des Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen und der Gruppe SOFA Münster, die eng mit der russischen Umweltorganisation Ecodefense zusammen arbeiten, sind entsetzt: „Gerade die Münsterländer Anti-Atomkraft-Bewegung hat gute Kontakte zu den russischen Atomkraftgegnerinnen und Atomkraftgegnern. Aktive des Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen waren bereits zu gemeinsamen Protesten in Russland. Außerdem haben russische Freundinnen und Freunde mit uns vor den Urananreicherungsanlagen in Gronau und Almelo (NL) demonstriert. Unser Mitgefühl gilt jetzt den Verletzten und ganz besonders den Angehörigen des Ermordeten. Sein Tod erschüttert, darf uns aber nicht lähmen. Der Widerstand gegen die Urananreicherung muss weiter gehen, in Deutschland, in Russland und auch anderswo!“
AKTUELL 2 (24.7., 12.40 Uhr): Nach Infos aus Russland liegen derzeit noch zwei Opfer der brutalen Attacke im Krankenhaus. Die Polizei hat nach eigenen Angaben inzwischen 20 verdächtigte Skins aus drei verschiedenen Städten festgenommen und geht inzwischen doch von einem politischen Hintergrund aus. Vorwurf angeblich: Schweres Hooligantum und Körperverletzung mit Todesfolge. Der Gouverneur von Irkutsk verurteilte den Überfall scharf, der Angriff sei "jenseits menschlicher Vernunft". Weitere News folgen!
Am Mittwoch, den 25.07. hat das Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen als Reaktion auf den brutalen Mord an dem russischen Atomkraftgegner Ilya Borodaenko einen Brief an den russischen Honorarkonsul in Düsseldorf, Herrn Dr. Burckhard Bergmann, geschrieben.
Herr Bergmann sitzt hauptberuflich als Chef von EON-Ruhrgas im Hauptvorstand von EON sowie im Aufsichtsrat von Gazprom. EON ist über eine Zwischenfirma am Urananreicherer Urenco beteiligt.
Seit 1996 wurden allein aus der deutschen Urananreicherungsanlage Gronau rund 20 000 t abgereichertes Uran nach Russland geliefert, unter anderem nach Angarsk. Das Uran wird in Russland unter offenem Himmel als Atommüll gelagert. Wir erwarten deshalb sowohl von Herrn Bergmann als Vertreter der russischen Regierung sowie von EON eine Stellungnahme zu den bedrückenden und bestürzenden Vorfällen in Angarsk.
Während die Medien weltweit über den tödlichen Angriff berichten (z.B. die Washington Post), hüllen sich EON und Urenco bis jetzt noch in komplettes Schweigen. EON und Urenco darf es nicht egal sein, wenn bei friedlichen Protesten gegen die Konzernpolitik Menschen zu Tode geprügelt werden.
Spendenkonto für die Opfer und die Angehörigen von Ilja Borodajenko:
Aktionsbündnis Münsterland, Stichwort "Angarsk", Konto 357 730 701, BLZ 401 646 18, Volksbank Wettringen
Brief an den russischen Honorarkonsul Hr. Dr. Bergmann zum Download...
Erklärung der „Baikaler Bewegung“ und der „Ökologischen Baikalwelle“ zum Download...
Ilja Borodajenko (26 Jahre)
Quelle: http://cia.bzzz.net